Black Yambov vom Karthäuser Hain

26.03.1987 - 20.03.1999

Yambov im Alter von 7 Wochen

Pedigree

Seit mehr als 27 Jahren leben wir mit Hunden zusammen. Begonnen hat alles mit zwei Afghanischen Windhunden. Als mein letzter Rüde “Maro” 11 Jahre alt und noch sehr rüstig war, begab ich mich auf die Suche nach einer anderen Rasse. Der nächste Hund sollte etwas kleiner, aber auch langhaarig sein. Er durfte auf keinen Fall jagdliche Ambitionen haben. So stieß ich im Dezember 1986 auf das Foto eines Beardies. Ihn sehen hieß auch ihn lieben. Am 26. März 1987 wurde unser “Yambov” geboren. Der einzige Rüde in einem Dreierwurf. Schwarz, mit ganz wenig weiß, aber genau an den richtigen Stellen, um ihn freundlich aussehen zu lassen. - Unser Wunschhund!

Waren wir bisher das doch ehr ruhige, anmutige Wesen unserer edelen Afghanen gewohnt, so brachte Yambov das Leben pur ins Haus. Nichts war vor ihm sicher. Er war einer der Hunde, die buchstäblich über Tische und Bänke (äh ... Sofas) gehen. Seine unerschöpfliche Liebe zu Mensch und Tier ergoss sich nicht nur über unsere Familie. Jeder - ob man es wollte oder nicht - wurde von Yambov geliebt, ziemlich feucht und reichlich aufdringlich. Der einzige, der sich Respekt verschafft hat, war Maro, der alte Afghane.

Als Yambov ein Jahr alt wurde, lernte ich meinen jetzigen Mann Klaus kennen. Yambov mußte begreifen, dass es da nun noch ein Rudelmitglied gab, mit dem er sein Frauchen teilen mußte. Anfangs kein leichtes Unterfangen. Zweimal hat er nach seinem neuen Herrchen geschnappt. Klaus gab sich alle Mühe und trotzdem dauerte es noch einige Jahre, ehe er von Yambov voll akzeptiert wurde.

Kurz bevor Yambov drei Jahre alt wurde, konnten wir in unser erstes Haus ziehen. Es war ein Paradies! Ein tolles, altes Holzhaus mitten auf einem sehr großen Grundstück, rundherum hoch eingezäunt. Yambov wurde zum “Draußenhund”. Fast den ganzen Tag und so lange wir es ihm in der Nacht erlaubten, lag er oben auf dem Treppenabsatz und kontrollierte sein Reich. Er wurde zu einem echten Wachhund. Am aller, allerliebsten aber lag er im offenen Kofferraum unseres Kombis, wenn dieser im Hof stand. Von hier aus hatte er bei jedem Wetter den optimalen Ausguck.

Yambov im Alter von 11 Jahren

Da wir beide berufstätig waren und obwohl mittags immer jemand nach Hause kam, war Yambov doch lange am Tag allein. Zu seiner Gesellschaft sollte ein weiters Haustier her. Damals ist mir nicht gelungen, Klaus von der Notwendigkeit eines zweiten Hundes zu überzeugen. So bekamen wir Gina, unsere Hauskatze. Leider war sie kein wirklicher Ersatz für einen Hund.

Ein Jahr nach unserem Einzug kam unsere Tochter Melinda zur Welt. Jetzt begann für Yambov ein tolles Leben. Frauchen war den ganzen Tag zu hause. Yambov liebte unser Baby vom ersten Augenblick an. (Oder ehr die Windeln?) - Dann war da ein herrlicher Frühlingstag und Melinda war erst wenige Wochen alt. Sie stand mit ihrem Kinderwagen auf unsere Terrasse. Yambov lag daneben und döste vor sich hin. Ich war in der Küche beschäftigt. - Mit einem mal hörte ich Yambov furchtbar wütend bellen und mein Herz krampfte sich zusammen. Wollte etwa jemand mein Baby stehlen?

Was ich aber dann sah, verschlug mir die Sprache. Yambov hielt meine entsetzten Eltern, die um das Haus herum gekommen waren und ihr Enkelkind besuchen wollten, in Schach. Yambov hätte meine Eltern keinen Schritt näher kommen lassen. Ich muß dazu sagen, dass ich Yambov drei Jahre lang jeden morgen vor der Arbeit zu ihnen gebracht habe. Ehe wir das Kind hatten, kamen sie ca 3- 4 mal pro Woche zu uns und kümmerten sich um Haus und Garten, wenn wir arbeiteten. Er hatte sich bisher stehts wie verrückt gefreut, sie zu sehen.

Mein “Dicker” war bereits acht Jahre alt, als meine alte Leidenschaft wieder erwachte. Immer schon hatte ich gern mit Hunden gearbeitet. Lange hatte ich keine Gelegenheit dazu gehabt. Jetzt konnte ich mir diese Zeit wieder nehmen. Er kannte zwar die Grundbegriffe, aber Yambov führte alle Kommandos für nur etwas 2 Sekunden aus. Bei Platz schmiß er sich zu Boden ... und stand postwendend wieder aus. Daran wollte ich nun arbeiten. Außerdem hatte ich das dringende Bdürfnis, mich unter Beardieleute zu mischen. In mir keimte immer noch der Wunsch, endlich einmal zu züchten. Dieser Gedanke war mit meinem ersten Hund geboren worden und hatte so lange geschlummert.  ... Eigentlich paßte jetzt Alles! Mit fehlte nur noch eine Hündin.

Yambovs erstes Stehfoto

So kamen wir zu einem Hundeplatz in Gelsenkirchen, auf dem sich zwei mal in der Woche Britische Hütehunde mit ihren Familien trafen. Was Yambov (und ich natürlich auch) in der nächsten Zeit alles lernte, war unglaublich. Es endstand eine Freundschaft zu dem Trainerehepaar, die sich bis heute fortgeführt hat.

Leider wurde aus dem Wunsch, als nächstes eine Hündin ins Haus zu holen, nichts. Im August 1996 zog unser Toby bei uns ein. Ich hatte fast genau ein Jahr gebraucht, den Widerstand meines Mannes zu überwinden.

Yambov fuhr mit uns, den kleinen Toby abholen. Da war er noch der Meinung, dieser kleine Knirps wäre wohl auch mal wieder ein Pflegehund. Nach ca. 2 Wochen wurde er dann stutzig und neugiriger auf seinen neuen Mitbewohner. Wirklich begeistert war er anfangs nicht.

Aber Toby fiel es nicht schwer, den alten Brumbären im Laufe der Zeit um den Finger zu wickeln. Für Yambov war es eine Verjüngungskur. Er drehte wieder so richtig auf. Kurz danach wurde vom Tierarzt bei ihm Artrose in der rechten Schulter und dem linken Ellenbogen diagnostiziert.

Yambov war ein superintelligenter Hund. In jungen Jahren hatte ich oft den Eindruck, dass er bei uns unterfordert war. So kam er dann eines Tages laut kläffend zu uns gelaufen. Wir tadelten ihn noch, weil er sich nicht beruigen wollte. Als ich dann endlich nachsehen ging, was ihn so aufbrachte, war ich sprachlos. Er hatte uns sagen wollen, dass Toby einen meiner Schuhe zerlegte, weil man das doch wirklich nicht darf. Von nun an nahmen wir es sehr ernst, wenn er sich derart gebärdete. und so einige Male hat er Toby noch verpfiffen.

Yambov konnte dann nicht mehr lange an einem Stück laufen. Er hinkte oft. Wir behandelten ihn erst hämopartisch. Das gaben wir bald auf und stiegen auf Schmerztabletten um. Die Dosierung wurde stetig erhöht. Meine besorgte Frage, wie es mit den erwähnten Nebenwirkungen der Medikamente stünde, wurde vom Tierarzt abgetan. Hunde würden nicht so alt, als das sie sie erleben würden.-

Weihnachten 1998 fuhren wir in den Winterurlaub. Wir nahmen nur Toby mit, weil ich Sorge hatte, das es für Yambov im tiefen Schnee viel zu anstrengend sein würde. Yambov blieb bei meiner Schwägerin, die im gleichen Haus bei uns eine Wohnung bewohnte. Sie hatte erst mitte Dezember einen Sohn zur Welt gebracht und war recht dankbar, nicht allein im Haus zu sein. So machte sie oft am späten Nachmittag oder am frühen Abend noch einen Spaziergang mit Kind und Hund. Sylvester 1998 wurde sie von einem Mann während dieses Spazierganges angesprochen. Wie sie uns dann später berichtete, nahm sie die Situation anfangs nicht wirklich ernst. Der Mann hatte wohl getrunken. Yambov war vorgelaufen und schnupperte im Gebüsch. Erst als der Fremde zudringlich und tätlich gegen sie wurde, bekam sie es mit der Angst. Andrea brauchte nicht einmal nach Yambov zu rufen, denn ehe der Angreifer sich versah, kam dieser wütend aus dem Gebüsch geschlossen und hat den Mann kurzerhand in die Flucht geschlagen. -  Yambov wurde von Andrea an diesem Abend mit all seinen Lieblingsleckerchen verwöhnt, . Leberwurstbrot, Käse, Schokolade, Kekse ... 

Als wir aus diesem Urlaub zurückkehrten, ging es Yambov schlecht. Er hatte solche Schmerzen, dass er nach Toby schnappte, wenn sich dieser in seine Nähe wagte. Etwas, was er normalerweise niemals getan hätte. Der Tierarzt gab ihm eine sogenannte Langzeitcortisonspritze. Sie sollte ihm Linderung verschaffen. - leider wurde Yambov danach totkrank. Er hatte über Wochen ganz schrecklichen Durchfall, Brechen, Fieber... In der Nacht mußte ich im Stundentakt mit ihm ins Freie. Er konnte kaum noch etwas bei sich behalten. Er bekam weitere Medikamente. Seine Blutwerte waren katastrophal, seine Prostata ca Apfelsinengroß, er hatte Wasser in der Lunge, sein Herz arbeitete nicht mehr richtig. Kurzum, alle seine Organe waren in Mitleidenschaft gezogen. Tobys Züchterin schickte uns dann endlich zur Tierärztin Anja von Diecken, ihrer Schwester. Anja behandelte Yambov nur noch homöopatisch. Wir wollten, wenn es keine Hoffnung mehr gäbe, ihn auf keinen Fall quälen. Anja wußte das und versprach uns, dann ehrlich zu sein. - Es dauerte ziemlich lange, aber es ging dann wieder ganz langsam bergauf.

Am Freitag, dem 18.03.1999 konnte Yambov kaum seine Hinterläufe bewegen. Seine Hocks zitterten gewaltig. Abends fuhren wir noch zur Tierklinik nach Hochmoor. Das Ergebnis der Untersuchungen: ein Tumor am Übergang vom Oberschenkelknochen in die Hüftpfanne. Man riet uns, ihn bald zu erlösen.

Am Sonntagmorgen, kurz nach 10.00 Uhr traten wir die letzte Fahrt mit ihm an. Er bekam die Spritze im Kofferraum unseres Kombies, seinem heißgeliebten Lieblingsplatz. Vorher verputze er noch eine Tafel Milka Schokolade mit Genuß. Auch eine Leidenschaft von ihm. - Er schlief ganz ruig und friedlich in meinen Armen ein.

Sechs Tage später wäre er 12 Jahre alt geworden.

Yambov hatte die wundervollsten Augen, die ich je bei einem schwarz-weißen Beardie gesehen habe. Man konnte mitten in diese einzigartige Beardie-Seele blicken.

Vater: Champion Willowmead Perfect Boy

Mutter: Bouncy von dem Einkornblick

Yambov war bestimmt nicht der super einfachste Vertreter seiner Rasse. Er war schon auf eine gewisse Weise dominant und er hat in jüngeren Jahren auch gern hin und wieder mal die Rangordnung angetestet. In anderen Händen hätte er durchaus zum Tyrannen werden können. - Trotzdem, oder vielleicht auch deshalb, war ein wirklich wunderbarer Begleiter. Er war ein Kobold und Schelm, immer gut gelaunt, sehr zuverlässig, sehr souverän und der beste Freund unserer Tochter. Jetzt ist er schon einige Jahre nicht mehr bei uns. Und selbst heute noch fehlt er in vielen Situationen. In unseren Herzen hat er einen ganz besonderen Platz, den ihn niemand streitig machen kann. Wir werden ihn nie vergessen und vermissen ihn immer noch unbeschreiblich.

Dieses alles zu schreiben, fällt mir sehr, sehr schwer.